Für die Primarschule Zelgli in Schlieren wird ein witterungsgeschützter, offener Unterstand gebraucht. Die geringen bautechnischen und klimatischen Anforderungen an das Gebäude drängen sich auf, mit der Aufgabe einen Prototypen für das Bauen mit gebrauchtem Material zu entwickeln. Die treibende Idee hinter der Mehrfachverwendung von Bauelementen ist die Reduktion des CO2-Ausstosses als Beitrag zur Eindämmung der Klimaerwärmung und der Vermeidung von Abfall. Für diese Aufgabe gilt es, eine neue Architektursprache zu finden, die über das Collagieren und Patchworken hinausgeht. Es geht um die Entwicklung neuer Strategien und (Vor-)Bilder für Gestalt, Konstruktion und Fügung, für einen sinnstiftenden Einsatz von gebrauchtem Material.

Ein Ansatz liegt im Miesschen Leitgedanken zur Materialgerechtigkeit. Anstelle einer vordefinierten Architektursprache erfolgt die Formfindung aus der Suche und dem Finden von passenden Materialien für die Bauaufgabe und deren spezifische Anforderungen an Funktion und Ort. Die Gestalt des Baukörpers entsteht aus dem Umgang mit dem Material und kann damit keinem zuvor existierenden Bild folgen.

Welche Materialien eignen sich für einen Unterstand, der vor der Witterung schützen soll, aber klimatisch keine Anforderungen erfüllen muss? Zum Beispiel stabile, langlebige Gitterroste für die Wände, gedeckt von einem Dach aus Holzplatten. Zu einem Zylinder gefügt und punktuell verbunden, stabilisieren sich die Roste selbst. Der runde Grundriss entspringt somit einer konstruktiven Logik und erweist sich gleichzeitig als selbstverständliche Antwort auf die räumliche Situation: auf begrenzter Fläche unter Bäumen, als ungerichteter, bescheidener Auftakt und Ergänzung zur Schulanlage. Da die Abmessungen von Gitterrosten nicht genormt und damit für den Entwurf keine definierbare Einheit sind, werden Umfang und Höhe des Pavillons parametrisch bestimmt. Die Proportionen des Baukörpers sind damit definiert, seine genauen Dimensionen jedoch erst mit dem Wissen um die Verfügbarkeit der Elemente.

Um die Gitterroste kraftschlüssig miteinander zu verbinden, werden für die Eckpunkte kreuzförmige Schlösser aus geschweissten Stahlprofilen mit justierbaren Schraubverbindungen entwickelt. Mit diesen ist auch die Türe in die Haut eingesetzt. Die Aussteifung des Pavillons erfolgt über einen runden Mittelpfosten, an den am oberen Ende eine Spinne aus neun Stahlstreben angebracht ist. Letztere trägt das Dach aus Dreischichtplatten mit einfacher Abdichtung. Über fünf Schraubfundamente ist der Baukörper mit dem Grund verbunden. V-förmig gespannte Drähte verankern das leichte Dach von jedem Dachträger aus zu den Fundamenten. Den Boden bilden in eine Kiesschüttung verlegte Betonplatten, unter die Gitterroste ist ein Magerbetonring gegossen. Die konstruktiven Elemente sind in primärrot und ultramarinblau farblich akzentuiert und bilden mit der Berankung aus Waldreben die Ornamente des Pavillons.

Für eine Höhe von rund drei Metern und einen Durchmesser von sechs Metern werden insgesamt 54 Gitterroste in drei Ringen gestapelt und durch 62 Schlösser verbunden. Entwurf und Konstruktion erzielen einen möglichst optimalen und effizienten Einsatz des erforderlichen Materials. Vor allem der Verbrauch an Metall kann geringgehalten werden. Das CO2-Äquivalent liefert den Beweis. Mit etwa 2’900 kg CO2e verursacht der Recycling-Pavillon weniger als die Hälfte an Treibhausgasen im Vergleich zu 7’600 kg CO2e für das ursprünglich geplante konventionelle Projekt.

Die Lösung einer baulich einfachen Aufgabe, noch unter grosser Eigeninitiative, führt zu einer allgemeingültigen Antwort: die Beschränkung des Entwurfs auf die Kenntnis des Umgangs mit Materialien zeigt einen möglichen Weg zu einer neuen Architektursprache für klimagerechtes Bauen.

Mitarbeit: Christian Mandaliev / Nils Tamm

Bauherrschaft: Stadt Schlieren / 2023 – 2024


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